Warum verrechnen Wettanbieter 5% Wettsteuer an die Kunden?

Mit Betway hat ist nun ein weiterer Wettanbieter dazu übergegangen, für Sportwetten in Deutschland eine Wettsteuer an die Kunden zu verrechnen. Seit 1. März 2013 werden von allen gewonnenen Wetten bei Betway 5% Steuer in Abzug gebracht. Auch wenn es weiterhin eine Reihe an Anbietern gibt, bei denen steuerfrei gewettet werden kann, sorgt jede neue Steuerbelastung eines Wettanbieters für dementsprechenden Unmut in der deutschen Wettszene und insbesondere bei den Kunden des betreffenden Anbieters.

 

Wie wir aus diversen Wettforen entnehmen können, richtet sich dabei der Unmut der Sportwetter in erster Linie gegen die Wettanbieter selbst, die den Weg der Weiterverrechnung der 5% Steuer einschlagen. Dabei ist es in den meisten Fällen kein willkürlicher Akt der Buchmacher und dient auch nicht der Gewinnoptimierung der Unternehmen, sondern ist schlicht und einfach eine Notwendigkeit, um wirtschaftlich mit Sportwetten in Deutschland positiv bilanzieren zu können. Warum dies so ist wollen wir in diesem Beitrag einmal näher beleuchten.

 

Wie viel verdienen die Wettanbieter eigentlich mit Sportwetten?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern richtet sich nach verschiedenen Faktoren im Wettangebot und im der Geschäftsgebarung des jeweiligen Anbieters. In erster Linie verantwortlich für die Gewinnspanne des Wettanbieters sind die von den Buchmachern festgelegten Wettquoten, und hier wiederum vor allem der sogenannte Quotenschlüssel bzw. Auszahlungsschlüssel.

 

Mit dem britischen Wettanbieter Betway ist nun ein weiterer Anbieter dazu übergegangen, die deutsche Wettsteuer an die Wettkunden weiter zu verrechnen.

Seit 1. März 2013 zieht Betway bei gewonnenen Wetten 5% von der Bruttoauszahlung ab und folgt damit dem Beispiel einiger anderer Wettanbieter wie z.B. Bwin, Bet-at-home, Mybet oder Interwetten.

Dennoch gibt es auch weiterhin die Möglichkeit, in Deutschland steuerfrei zu wetten – allen voran beim bekannten Anbieter Tipico

 

Je höher der durchschnittliche Auszahlungsschlüssel eines Anbieter ist, desto geringer ist naturgemäß die Gewinnmarge, die der Buchmacher mit seinem Angebot einfahren kann. Der Quotenschlüssel unterscheidet sich dabei von Wettanbieter zu Wettanbieter, im groben Durchschnitt kann man bei privaten Anbietern aber mit einer Auszahlungsquote von rund 90% bis 95% ausgehen.

 

Je höher der Quotenschlüssel, desto geringer die Gewinnspanne

Wenn ein Buchmacher nun mit einem Quotenschlüssel von 95% arbeitet, bedeutet das nichts anderes, als dass er einen mathematischen und theoretischen Vorteil von 5% gegenüber dem Wettkunden hat, das heißt der Wettanbieter wird mit seinem Angebot langfristig rund 5% der Wetteinsätze als Gewinnspanne einbehalten.

 

Jene Anbieter, die mit Gewinnspannen von 5% arbeiten und keine Wettsteuer an die Wettkunden weiterverrechnen, würden also, nachdem sie die 5% Wettsteuer an den Fiskus abgeliefert haben, mit einer Null aus dem Sportwetten Geschäft aussteigen. Beziehungsweise mit einem schmerzlichen Verlust, schließlich müssen mit den Wetterträgen die laufenden Ausgaben für Marketing, Personal, EDV usw. beglichen werden.

 

Nimmt man andererseits Wettanbieter her, die mit einer theoretischen Gewinnspanne von 10% arbeiten, also einen Quotenschlüssel von 90% anbieten, dann könnten diese durchaus die Wettsteuer aus der eigenen Tasche begleichen und es würde am Ende des Tages dennoch eine positive Spanne übrig bleiben. In diesem Beispiel einer Gewinnspanne von 10% der Wetteinsätze würde also die Hälfte der Erträge an das Finanzamt gehen, die andere Hälfte bliebe dem Wettanbieter zur Deckung seiner Kosten.

 

Die vom Wettanbieter zu erzielende Gewinnspanne hängt zwar sehr stark, aber nicht nur von der theoretischen Ausschüttungsquote ab. Es gibt noch eine Reihe anderer Faktoren, wie zum Beispiel das Wettverhalten der Kunden (Anteil an Einzelwetten bzw. Kombi- oder Systemwetten), das Riskmanagement des Anbieters, die Fähigkeiten der für die Wettquoten verantwortlichen Buchmacher usw…

 

Grundsätzlich kann aber auf jeden Fall festgestellt werden: je höher die theoretische Ausschüttungsquote, also je attraktiver die Wettquoten aus Kundensicht, desto niedriger ist die langfristige und durchschnittliche Gewinnspanne des Wettanbieters!

 

Wettsteuer bestraft Anbieter mit besonders attraktiven Wettquoten

Man kann also durchaus davon ausgehen, dass die abzuliefernde Wettsteuer in erster Linie für diejenigen Wettanbieter ein Problem darstellt, die traditionell gute Wettquoten anbieten, eine hohe Ausschüttungsquote vorweisen und damit besonders kundenfreundlich agieren. Wettanbieter die nur mittelmäßige Wettquoten im Angebot haben und mit niedrigeren Ausschüttungsquoten eine höhere Gewinnspanne einfahren, könnten die Wettsteuer schon eher verkraften.
 

Umso erstaunlicher ist es, dass die auf diesen Seiten vorgestellten Wettanbieter sowohl durchwegs über attraktive Wettquoten, als auch über steuerfreie Wetten verfügen. Unterm Strich bleibt da für den Anbieter nicht viel übrig, die abzuliefernde Wettsteuer wird in diesen Fällen wohl als eine Art Marketingkosten verbucht, um mit dem steuerfreien Wettangebot möglichst viele neue Kunden zu generieren.

 

Der Wettkunde muss sich über die Geschäftsgebarung der betreffenden Wettanbieter aber wohl kaum gröbere Gedanken machen, steuerfrei Wetten zu attraktiven Wettquoten sind einfach ein zu gutes Angebot, das man als Freund von Sportwetten in Deutschland derzeit nicht ablehnen kann. Weitere Infos und Hintergründe zum Thema Wettsteuer können auch in diesem Beitrag nachgelesen werden, hier wird das relativ komplexe Thema sehr verständlich erklärt und aufbereitet.